#takecareresidenz

(NICHT) AUSHALTEN

Wir haben Spielhunger. Aber unsere bisherigen Stücke sind kaum spielbar, meist zu nah, zu interaktiv, Veranstalter*innen und Zuschauende sind zurückhaltend, es gibt nur wenig Premieren. Theater mit Handbremse im Zwischen Lockdown oder der nächsten Quarantäne.
Zeit um Basics zu reflektieren: den Begriff Freiheit. Wie definiert sich das im Jetzt und was bedeutet das für unser Theaterspiel?

“Frauen wollen nicht, dass man ihnen Freiheit und Gleichheit gewährt, sondern sie wollen sie erlangen. Das ist ganz und gar nicht dasselbe.”

Simone de Beauvoir

Wir müssen übrigens wir noch stets unser Geschlecht betonen. Punkt.
Noch mehr Behauptungen: Die fehlende Gleichberechtigung darf gerade in dieser Zeit nicht unter den Tisch fallen. Punkt. Intelligent ausformulierte Sätze, sind natürlich und ausschließlich das Mindeste, womit man auffahren muss, um feministisches Denken zu erklären, oder um seinem politischen Bewusstsein eine Stimme zu geben und um bestenfalls zu verwirren. Punkt. In der Improvisation ist Scheitern fest im Möglichkeitsraum verankert. Punkt. Freiheit gibt es nur in der Musik.

ZIEL:
Im Rahmen der #takecare Residenz möchten wir einen neuen Inszenierungs- und Spielstil (er)finden, der in dieser Beschränkungsvollen Corona Zeit auf Freiheit basiert (kein! Improtheater), und sich an obigen Behauptungen abarbeitet. Die tools aus dieser Recherche dienen der Vorbereitung einer coronatauglichen Produktion.

WIE WOLLEN WIR DAS ERREICHEN:
In zwei Arbeitmonaten möchten wir empowernde und wütende Texte von Autorinnen über Freiheit und Gleichheit aus verschiedenen Zeiten durchforsten, hinterfragen und mit aktuellen und eigenen Texten kreuzen, um daraus eine eigene neue Theatersprache zu entwickeln, welche dem heutigen Feminismus gerecht wird – in all seiner Stärke, Wut, Unabhängigkeit, Verletzbarkeit und seinem Lebenshunger. Den aus dieser Sprache resultierenden coronatauglichen Spielstil wollen wir in offenen Proben vor Publikum auszuprobieren und zur Diskussion stellen.
Wir wollen dabei hinterfragen, was Freiheit, Oberflächlichkeit, Wut und Aufmerksamkeitspanne für uns bedeuten und ob es da einen Zusammenhang gibt – Stichwort Aushalten (als Mensch und im Spiel).

“Immer dieses Geschwätz über Kontaktarmut! Man muss nur wollen, dann gelingt es einem schon irgendwie, sich anderen Menschen mitzuteilen.”

Simone de Beauvoir

Der entstehende Spielstil soll und darf dabei selbsternannte Regeln wieder aufbrechen und Freiheit ermöglichen, gar forcieren. Inhaltlich wird es dabei kaum vermeidbar sein, politisches Tagesgeschehen auszuschließen. Im Idealfall funktioniert diese neue Sprache auch für nicht Deutschsprechende, bzw. ist leicht transponierbar und transportierbar in den internationalen Raum.


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